Ein ganzes Buch voll mit Kurzgeschichten. Über Geschichten, die das Leben schreibt.



als ebook erhältlich für 2,99€


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Klappentext:

Ein Buch über Geschichten, die das Leben schreibt? Wer kennt sich schon in der Welt aus? Überraschend, neugierig, erstaunlich, charmant, bisweilen nachdenklich, jedoch nie eintönig, nicht monoton. Das Leben ist nicht Schwarz und es ist auch nicht nur Weiß. Es hat so viele Schattierungen, die Farbauswahl ist riesig. Und so sind die Geschichten. So bunt wie ein Regenbogen. Geschichten vom Reisen, in ferne Länder, von anderen Kulturen, in abenteuerliche Regionen. Reisen bedeutet mehr als nur Urlaub. Die Sehnsucht nach der großen, weiten, unbekannten Welt! Einmal leben, um die Welt zu entdecken!



                                                                       Leseproben


aus: "Im Land des Lächelns"

Wir laufen weiter, das Tempo ist gemächlich. Nur Jana hängt etwas nach. Mehrmals musste sie in der Nacht raus, hat Bauchweh und wie es scheint auch alles andere, was mit der Verdauung zu tun hat. "Die Toilette ist überall", stelle ich wiederholend fest. Nine-Nine sagte dies augenzwinkernd und wir lassen sie für einen Moment allein. Sobald es etwas bergauf geht, schalte ich in den „Nepal-Gang“, verkürze die Schritte und gehe bewusst langsamer. So lässt sich das Wandern am besten genießen, der steilste Anstieg wird entspannt überwunden. Spätestens bei dem Kinderlachen, das uns überall geschenkt wird, wird jede Anstrengung zur Leichtigkeit. Manchmal neugierig, manchmal unsicher blicken uns große Kinderaugen an. „Bye, bye“ hallt es hinter uns. In den Dörfern und kleinen Siedlungen rufen die Kinder uns nach. Zuerst ein schüchterner Blick, dann ein Lächeln und dann strahlende Augen. Ein überwältigender Moment. Manchmal rufen die Kinder auch schon von weitem „bye, bye“, selten ein „Hello“ und mitunter „mingalabar“, die birmesische Begrüßung. „Bye, bye!“ Die Freude und Fröhlichkeit ist unglaublich, als wir an einem Kindergarten vorbeikommen. Laut juchzend strömen die Kinder herbei, umringen uns, überfallen uns mit ihrer ansteckenden Ausgelassenheit, wollen die Fotos von der Kamera sehen. Abwechselnd tummeln sie sich um Jana, und wenn ich den Fotoapparat in der Hand halte auch um mich. Ein herzzerreißender Moment. Nie waren mir Kinder so angenehm wie in diesem Augenblick. „Bye, bye!“ lachen sie. Und noch einmal: „Bye, bye!“




aus: "Staatsbesuch in Minsk"

Noch eine Apfeltasche und eine dritte Tasse Kaffee, dann sind wir langsam im Tag angekommen. Am Nachbartisch sitzt ein sonnenbebrillter Typ im weißen Hemd, die Ärmel hochgeschlagen, der auffällig unauffällig näher rutscht. Er hat schmale Lippen, einen markanten Gesichtsausdruck und kleine, blonde Locken. Als er die Brille abnimmt und einen freundlichen Blick versucht, ist für einen kurzen Moment eine Fratze zu erkennen. Eine Narbe unter dem rechten Auge lässt das Lachen zu einer Grimasse verkommen. Wer hat ihm das zugefügt? Ein Unfall? Unerwartet spricht er einige Worte auf Deutsch. Wir sind plötzlich hellwach. Was will er von uns wissen? Wohin wir wollen? Was der Grund unserer Reise sei? Ob wir auch die Parade sehen wollen? Irritiert schauen wir uns an. Fragt er aus Neugier oder steckt etwas anderes dahinter? Kurzerhand verneinen wir, gehen nicht weiter darauf ein und wenden uns schnell ab. Das ist kein Desinteresse oder unhöflich, nein, es ist schlicht Unsicherheit - gepaart mit größter Vorsicht. In Weißrussland, dem Land des letzten Diktators Europas ist mit allem zu rechnen. Auch mit unangenehmen Begegnungen. Lukaschenko ist neben Putin, dem lupenreinen Demokraten, der einzig verbliebene Machthaber auf einem zumeist demokratisch geprägten Kontinent.

Es gibt wenig Touristen, eine Handvoll Kritiker, einige Regierungsgegner. Und es gibt Agenten der Regierung. Ist er ein Mittelsmann der unterdrückten Opposition vielleicht, der Kontakt nach Deutschland sucht? Westliche Ausländer sind noch eine Seltenheit und wo steckt man uns drei Burschen hin? St. Petersburg und Moskau sind viel besuchte Städte, Touristen sind oft in der Überzahl, an manchen Orten waren die Einheimischen sogar nur noch Statisten. Jetzt sind wir in Minsk, der Hauptstadt von Weißrussland, hier gilt eine andere Zeit.

Uns wird heiß und kalt und unangenehm, wir brechen auf und ziehen los. Minuten später wartet der Typ plötzlich an einer Kreuzung, steht neben uns, schaut herüber und folgt unserem Schatten. Wir gehen weiter, er auch. Er wechselt auf die andere Straßenseite, läuft auf gleicher Höhe weiter. Wir bleiben stehen, er bleibt es auch. Wir fotografieren ein Fahrzeug, er fotografiert es auch. Es wird geheimnisvoll, es wird aufregend. Wir spazieren in einen Park, pausieren auf einer Bank, er geht nah an uns vorbei. Er geht weiter. Und er dreht sich nicht um. Aufpassen, raunt Mark, wir müssen Acht geben, was wir sagen, über was wir sprechen, was wir tun. Er flüstert nur noch. Wir sollten auch nicht ständig mit der Kamera rumfuchteln, die wird uns sonst noch zum Verhängnis. Diese Vorsichtsmaßnahme steht ebenfalls im Reiseführer. Wir warnen uns gegenseitig, besser ein Foto zu wenig als eins zuviel. Dennoch kommt alles anders und das schneller als gedacht.